Mit „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ legt Jane Schoenbrun eine detailverliebte Liebeserklärung an das Horrorkino der 80er-Jahre vor – und gleichzeitig eine ziemlich clevere Dekonstruktion desselben. Der Film, der in Cannes als Eröffnungsfilm der Sektion Un Certain Regard Premiere feierte, folgt der jungen Filmemacherin Kris (Hannah Einbinder), die den Auftrag erhält, einer längst ausgedienten Slasher-Reihe einen modernen, „woken“ Anstrich zu verpassen. Dafür reist sie zu Billy (Gillian Anderson), dem ehemaligen Final Girl des Originals, die inzwischen zurückgezogen auf dem Gelände des Camps lebt.
Zwischen Hommage und Meta-Horror
In „Camp Miasma“ ist Schoenbruns Liebe zum Genre in jeder Sekunde spürbar. Der Film ist eine detailverliebte Hommage an die Slasher-Klassiker der 80er-Jahre, von „Friday the 13th“ bis „Sleepaway Camp“, gleichzeitig aber auch ein Meta-Horrorfilm, der sich mit den problematischen Mechanismen dieser Filme auseinandersetzt. Schoenbrun nimmt sowohl das alte Horrorfilm-Klischee des „trans Monsters“ und die problematische Tradition von Gender-Reveal-Twists aufs Korn, in denen Trans- und gendernonkonforme Identitäten selbst zum Schockmoment gemacht werden, als auch die alte „vice precedes slice-and-dice“-Formel – also die puritanische Logik, nach der jugendliche Sexualität, Hormone und Lust im Horrorfilm unmittelbar mit brutaler Bestrafung beantwortet werden. Gleichzeitig nimmt sie die heutige „woke“ Kritik an ebenjenen Filme auseinander.
Besonders amüsant wird das in einer der witzigsten Szenen des Films: Regisseurin Kris erklärt Final Girl-Grand Dame Billy ihren künstlerischen Ansatz und spricht von ihrem Interesse an der „intersection of queerness and intellectual constructions of monstrosity“. Billy antwortet daraufhin trocken: „You rendered Psycho from the perspective of the shower curtain.“ In solchen Momenten treibt Schoenbrun die Meta-Ebene genüsslich ins Absurde.
Landschaften wie aus einem gemalten Traum
Auch visuell ist „Camp Miasma“ bemerkenswert. Für die wie gemalt aussehenden, traumhaften Winterkulissen setzt Schoenbrun nicht auf CGI, sondern auf eine fast vergessene analoge Technik: Glass Matte Painting. Dabei werden Landschaften direkt auf Glas gemalt und vor der Kamera mit realen Aufnahmen kombiniert – eine Technik aus der Frühzeit des Kinos, die hier eine eigentümlich künstliche und zugleich märchenhafte Welt entstehen lässt.
Dazu kommt ein fantastischer Soundtrack: Der Score stammt von Alex G, der bereits Schoenbruns „We’re All Going to the World’s Fair“ und „I Saw the TV Glow“ vertont hat. Ergänzt wird er durch eine Reihe exquisiter Songs, von Sades „No Ordinary Love“ über Andy Shaufs „Satan“ bis zu M83s „I Guess I’m Floating“.
Etwas zu viel Camp
Leider verliert der Film im Mittelteil etwas an Fahrt. Gerade die langen Passagen des Films-im-Film, des ursprünglichen „Camp Miasma“, die Kris und Billy gemeinsam anschauen, fühlen sich irgendwann eher wie ein Selbstzweck an. Auch die Slasher-Sequenzen nutzen sich durch ihre Wiederholungen zunehmend ab und wirken irgendwann weniger lustvoll als redundant. Eine gute halbe Stunde weniger Laufzeit hätte dem Film gutgetan.
Im Vergleich zu Schoenbruns letztem Film „I Saw the TV Glow“ ist „Camp Miasma“ allerdings deutlich unterhaltsamer und als Gesamtwerk wesentlich runder. Trotzdem wird man auch hier das Gefühl nicht ganz los, dass Schoenbrun unbedingt einen zukünftigen Kultfilm erschaffen möchte – und genau das gelingt bekanntlich nur selten, wenn man es darauf anlegt. Die größte Stärke des Films liegt deshalb vielleicht gerade darin, dass seine Begeisterung weniger aus dem eigenen Kultpotenzial als aus der aufrichtigen Liebe zu Filmen entsteht, die viele andere vermutlich einfach als Trash bezeichnen würden.
Gillian Andersons großer Auftritt
Und dann ist da noch Gillian Anderson. Als Billy ist sie Verführerin, Provokateurin, Exzentrikerin und selbstbewusstes ehemaliges Final Girl zugleich und spielt sich mit sichtlichem Vergnügen und einem markanten Southern Accent durch diese völlig enthemmte Rolle. Anderson gibt dem Film genau jene Mischung aus Glamour, Boshaftigkeit und Selbstironie, die seine Meta-Ebene braucht.
„Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ ist damit vielleicht nicht der zukünftige Kultfilm, als den er sich stellenweise selbst versteht, aber ein ausgesprochen unterhaltsamer und visuell eigenwilliger Genrebeitrag, der vor allem d

