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Dreams – Jessica Chastain im verstörendsten Liebesfilm des Jahres

Michael Francos „Dreams“ (der hierzulande den reichlich überflüssigen Untertitel „Gefährliches Verlangen“ spendiert bekommen hat) feierte bereits im Februar 2025 seine Weltpremiere bei der Berlinale und kommt nun – fast anderthalb Jahre später – endlich in die deutschen Kinos. An Aktualität hat der Film in dieser Zeit jedoch nichts eingebüßt. Im Gegenteil: Erst vor wenigen Tagen sorgten in den USA erneut tödliche Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE für Schlagzeilen und auch in Francos Film spielt das amerikanische Migrationssystem eine zentrale Rolle – allerdings nicht als klassisches Politdrama, sondern als Hintergrund einer toxischen Liebesgeschichte, in der Macht, Privilegien und Abhängigkeit untrennbar miteinander verwoben sind.

Jessica Chastain brilliert als privilegierte Heuchlerin

Jennifer (Jessica Chastain) ist dabei alles andere als eine Sympathieträgerin: privilegiert, wohlhabend, attraktiv und vorgeblich altruistisch. Wenn sie nicht gerade von der High Society beklatscht wird, applaudiert sie ihrem Vater oder ihrem Bruder. In Mexiko leitet sie eine Kulturstiftung – ohne auch nur ein Wort Spanisch zu sprechen – und beginnt dort eine Affäre mit dem wesentlich jüngeren Balletttänzer Fernando, gespielt vom international gefeierten Tänzer Isaac Hernández in seiner ersten Filmrolle. 

Als Fernando schließlich die gefährliche Flucht in die USA wagt und plötzlich in Jennifers luxuriösem Leben in San Francisco auftaucht, gerät ihr sorgfältig errichtetes Kartenhaus ins Wanken. Jennifer und ihre Familie verstehen sich als liberal, weltoffen und engagiert für Migrant*innen. Doch ihre Haltung endet dort, wo sie den eigenen Wohlstand oder ihre gesellschaftliche Reputation gefährdet. Franco zeichnet damit ein ebenso unangenehmes wie treffendes Bild eines privilegierten Liberalismus, dessen Werte allzu oft an den Grenzen der eigenen Lebensrealität enden.

Eine schonungslose Studie über Macht und Klasse

„Dreams“ beginnt in ruhigem Tempo und nimmt sich viel Zeit, seine Figuren und ihre Dynamik zu etablieren. Die Geduld zahlt sich jedoch aus: Je weiter der Film voranschreitet, desto beklemmender wird seine Atmosphäre. Nicht jede Szene besitzt die emotionale Wucht, die Franco offenbar anstrebt, und über weite Strecken entwickelt sich der Film bewusst kontrolliert statt mitreißend. Gerade deshalb trifft das kompromisslose Ende umso härter. „Dreams“ ist keine klassische Liebesgeschichte, sondern eine präzise Studie über Klassenunterschiede, Machtgefälle und die Grenzen moralischer Selbstbilder – unbequem, pessimistisch und verstörend.

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