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Die Odyssee – Matt Damon gegen Monster, Götter und das Meer

Die Erwartungen an einen Film könnten kaum größer sein: Christopher Nolan, der mit „Oppenheimer“ erst vorletztes Jahr sieben Oscars gewann, nimmt sich mit „Die Odyssee“ eines der einflussreichsten Werke der Weltliteratur vor – und liefert gleichzeitig den ersten Blockbuster ab, der vollständig mit den neuesten IMAX-Kameras gedreht wurde. Entsprechend groß ist der Andrang: Auch in Berlin sind die wenigen Vorstellungen in 70-mm restlos ausverkauft, Gleiches gilt für die IMAX-Screenings. Die von Nolan bevorzugte 70-mm-IMAX-Fassung lässt sich hier allerdings gar nicht sehen – wer den Film so erleben möchte, wie er gedacht ist, muss dafür bis nach Prag fahren.

Zwischen Mythos und Megastar-Ensemble

Auch die Besetzung sucht ihresgleichen. Neben Matt Damon als Odysseus versammelt Nolan mit Robert Pattinson, Zendaya, Tom Holland, Anne Hathaway, Charlize Theron und Lupita Nyong’o nahezu die komplette A-Liga Hollywoods vor der Kamera.

Die Geschichte selbst folgt Homers Epos: Nach zehn Jahren im Trojanischen Krieg macht sich Odysseus auf den langen Heimweg nach Ithaka. Doch weitere zehn Jahre voller Prüfungen, Monster und Götter stellen sich ihm in den Weg, während zu Hause seine Frau Penelope (Anne Hathaway) von zahlreichen Freiern bedrängt wird und sein Sohn Telemachos (Tom Holland) um sein Erbe kämpfen muss. Gedreht wurde an über 90 Tagen in sechs Ländern – von Marokko über Griechenland und Island bis nach Schottland –, was man dem Film in nahezu jeder Einstellung ansieht.

Ein visuelles Spektakel für die größtmögliche Leinwand

Visuell ist „Die Odyssee“ zweifellos ein Spektakel. Nolan nutzt die Größe der IMAX-Kameras konsequent aus und erschafft Bilder, die man am liebsten ausschließlich auf der größtmöglichen Leinwand erleben möchte. Dass sich die dreistündige Laufzeit eher wie zwei Stunden anfühlt, spricht ebenfalls für das Erzähltempo: Trotz seiner epischen Dimensionen bleibt der Film erstaunlich kurzweilig.

Ganz frei von Schwächen ist „Die Odyssee“ allerdings nicht. Vor allem die Dialoge wirken stellenweise überraschend hölzern, und insbesondere die Szenen zwischen Odysseus und Penelope geraten mitunter so pathetisch, dass sie eher kitschig wirken als emotional zu berühren. Auch die Starbesetzung wirkt bisweilen eher wie ein Prestigeprojekt als eine erzählerische Notwendigkeit – einige prominente Namen hätten problemlos ersetzt werden können, ohne dass der Film darunter gelitten hätte.

„Interstellar“ bleibt zwar weiterhin Nolans unerreichtes Meisterwerk, trotzdem ist „Die Odyssee“ genau das, was man sich von Christopher Nolan erhofft: großes, kompromissloses Eventkino für die größtmögliche Leinwand.

3.5