Mit gerade einmal 20 Jahren hat Kane Parsons bereits geschafft, wovon die meisten Nachwuchsregisseure nur träumen können: Sein Horrorfilm „Backrooms“ machte ihn nicht nur zum jüngsten Regisseur in der Geschichte von A24, sondern seinen Film auch zum finanziell erfolgreichsten A24 Film jemals. Dabei begann alles als vermeintlich kleiner YouTube-Clip.
Vom YouTube-Phänomen zum A24-Hit: Kane Parsons’ außergewöhnlicher Aufstieg
Der Mythos der sogenannten Backrooms entstand 2019 als Internetphänomen und entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer der bekanntesten modernen Creepypastas. Parsons veröffentlichte 2022 als 16-Jähriger seinen Kurzfilm „The Backrooms (Found Footage)“, den er ursprünglich lediglich als Visual-Effects-Test mit Blender und After Effects erstellt hatte. Das neunminütige Video wurde innerhalb von zwei Wochen über 20 Millionen Mal angesehen und gilt mit inzwischen weit über 80 Millionen Aufrufen als eines der erfolgreichsten Horrorvideos der Internetgeschichte. Nun hat A24 den inzwischen 20-Jährigen damit beauftragt, aus dem Stoff einen abendfüllenden Spielfilm zu machen:
Im Mittelpunkt des Films steht Clark (Chiwetel Ejiofor), der Besitzer eines heruntergekommenen Möbelgeschäfts, der im Keller seines Ladens eine unsichtbare Tür entdeckt. Schon bald wird er von dem Geheimnis dahinter besessen und vertraut sich seiner Psychologin Dr. Mary Kline an, die von Renate Reinsve in ihrem ersten Horrorfilm gespielt wird. Als sie ihm in die Backrooms folgt, geraten beide in eine albtraumhafte Parallelwelt.
Hier wird „Backrooms“ richtig unheimlich
Am besten funktioniert „Backrooms“ immer dann, wenn er sich auf seine Wurzeln besinnt. Das Herzstück des Films ist eine grandiose Found-Footage-Sequenz, in der Clark zwei seiner Angestellten, ausgestattet mit einer VHS-Kamera, zu Recherchezwecken mit in den Albtraum aus labyrinthartigen, gleichzeitig endlosen und klaustrophobischen Bürofluren und beige-gelben Wänden nimmt. Hier entfaltet der Film plötzlich jene Beklemmung und Unmittelbarkeit, die Parsons‘ ursprünglichen Kurzfilm so erfolgreich gemacht haben und es wird deutlich, welches Potenzial „Backrooms“ gehabt hätte.
Denn trotz des fantastischen surrealen Set Designs gelingt es dem Film nicht durchgehend, seine Spannung aufrechtzuerhalten. Das Tempo ist stellenweise überraschend behäbig, viele Szenen wirken repetitiv. Mehrfach beobachtet man Figuren dabei, wie sie mit derselben Mischung aus Verwunderung und Panik erstmals durch eine Wand in die Backrooms treten – ein Effekt, der beim ersten Mal hervorragend funktioniert, beim dritten Mal jedoch deutlich an Wirkung verliert.
Zu viel Erklärung, zu wenig Vertrauen ins Publikum
Hinzu kommt, dass der Film den kognitiven Fähigkeiten seines Publikums nicht immer zu vertrauen scheint. Hinweise werden teilweise mehrfach mit der Holzhammermethode erklärt, obwohl sie bereits beim ersten Mal verständlich waren.
Auch das Ende hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Es ist gleichermaßen verstörend wie rätselhaft, lässt aber so viele Fragen offen, dass man sich am Ende doch etwas mehr Auflösung gewünscht hätte.
Fazit: Atmosphärischer Horror mit ungenutztem Kultpotenzial
Trotz dieser Schwächen bleibt „Backrooms“ ein bemerkenswertes Spielfilmdebüt. Mit einem stärkeren Drehbuch und etwas mehr Vertrauen in die eigene Prämisse hätte hier ein moderner Horror-Klassiker entstehen können. So bleibt ein atmosphärisch starker, visuell beeindruckender Horrorfilm, der seine faszinierende Ausgangsidee nicht immer voll ausschöpft. Kane Parsons beweist dennoch, dass sein viraler YouTube-Erfolg kein Zufall war – und empfiehlt sich trotz einiger Kinderkrankheiten als eines der spannendsten neuen Talente des Genres.

