Als einer der letzten Wettbewerbsfilme wurde am Freitag Léa Mysius’ „The Birthday Party“ (Originaltitel: Histoires de la Nuit) im Grand Théâtre Lumière gezeigt, für den Léa Mysius Monica Bellucci höchstpersönlich gewinnen konnte (was vermutlich auch der einzige Grund sein dürfte, warum dieser Film es in den Wettbewerb geschafft hat, so viel sei schon mal verraten).
Eine Geburtstagsfeier entwickelt sich zum psychologischen Albtraum
In einer ruhigen ländlichen Gegend leben Thomas, seine Frau Nora und ihre Tochter Ida neben dem Haus der Künstlerin Cristina (Bellucci). Während sich Thomas und Nora zunehmend voneinander entfremden, plant er dennoch eine Überraschungsparty zu ihrem 40. Geburtstag. Parallel zu diesen Feierlichkeiten tauchen drei mysteriöse Brüder im Dorf auf und beginnen, die Familie und ihre Nachbarin zu terrorisieren und Nora mit einer Vergangenheit zu konfrontieren, die sie von ihrer Familie bislang geheim gehalten hat.
Zwischen Home-Invasion-Thriller und Familiendrama
Wen diese Ausgangslage an den Plot von Michael Hanekes „Funny Games“ erinnert, dem sei gesagt: Léa Mysius scheint sich in der Tat deutlich an Haneke zu orientieren – und legt diese Referenz auch offen, unter anderem über einen Plotstrang rund um den Schäferhund der Nachbarin (was genau passiert, sei an dieser Stelle nicht verraten, aber wer Hanekes Film kennt, wird die Richtung erahnen).
Monica Bellucci ist der größte Lichtblick des Films
Während „Funny Games“ (ebenfalls 1997 in Cannes uraufgeführt) jedoch ein provokantes, verstörendes und brillantes Meisterwerk ist, bleibt „The Birthday Party“ leider weitgehend auf Tatort-Niveau. Der Film schafft es nur bedingt, Spannung aufzubauen, die Figuren wirken teils hölzern gespielt, und viele Szenen sind kaum glaubwürdig.
Einzig Monica Bellucci verleiht dem Film jene Grandezza, die ihn zumindest in ihren Szenen aus dem austauschbaren TV-Thriller-Format heraushebt.

