Mit „Ready or Not 2” kehrt einer der überraschendsten Horror-Kultfilme der letzten Jahre zurück: Während der erste Teil über die Zeit zum absoluten Fanliebling avancierte, wuchs die Erwartung an die Fortsetzung spätestens mit der Bekanntgabe des illustren Casts. Horror-Veteranin Sarah Michelle Gellar (alias Buffy höchstpersönlich) absolviert einen ihrer seltenen Filmauftritte, auch Elijah Wood (spätestens seit „Sin City” Stammgast in psychopathischen Rollen) ist mit von der Partie, Bodyhorror-Großmeister David Cronenberg schaut für einen Cameo vorbeiund mitKathryn Newton bekommt der Film neben Samara Weaving gleich ein zweites Horror-erprobtes Final Girl. Die Voraussetzungen für ein Sequel, das das Original vielleicht sogar übertreffen könnte, waren also eigentlich mehr als gegeben…
Allerdings hat man dabei die Rechnung ohne einen Plot gemacht, der selbst aus der Feder von ChatGPT wohl spannender und origineller ausgefallen wäre.
Die Handlung setzt unmittelbar nach dem Ende von Teil eins an: Grace verlässt das brennende Anwesen, in dem kurz zuvor die Familie ihres Mannes explodiert ist – und wird ohnmächtig. Sie erwacht im Krankenhaus, angekettet an ihr Bett, mit einem Polizisten an ihrer Seite, der ihr eröffnet, sie sei in Schwierigkeiten und müsse mit aufs Revier. Kurz darauf taucht ihre Schwester Faith auf, die sie seit sieben Jahren nicht gesehen hat, die aber noch immer als ihr Notfallkontakt eingetragen ist. Schon diese Anfangssequenzen strotzen vor hanebüchenen Dialogen und lassen nichts Gutes für den weiteren Verlauf erahnen.
Was folgt, ist im Grunde ein 1:1-Aufguss des ersten Teils – allerdings ohne dessen Nervenkitzel, Witz und originelle Einfälle. Fieberte man im Original noch mit Grace mit, lässt einen ihre Entwicklung hier eher ratlos zurück: Obwohl der Film direkt an den ersten Teil anschließt und Grace ihre Transformation zur wehrhaften Heldin bereits vollzogen haben sollte, beginnt sie erneut als weinendes, kreischendes Opfer – als hätte es Teil eins nie gegeben.
Generell gefällt es dem Film ein wenig zu gut, Grace und Faith leiden und von den sadistischen Familienclans rund um Gellar und Shawn Hatosy foltern zu lassen. Die Geschichte der entfremdeten Schwestern, von denen die jüngere der älteren vorwirft, sie im Stich gelassen zu haben, wirkt dabei nicht nur konstruiert, sondern auch redundant – zumal ein verblüffend ähnlicher Konflikt erst kürzlich in „They Will Kill You” verhandelt wurde. Die entsprechenden Szenen, in denen sich beide selbst in lebensbedrohlichen Situationen gegenseitig Vorwürfe machen, sind zudem eher nervtötend als nachvollziehbar.
Es bleibt ein Film, der seinem Vorgänger in nahezu jeder Hinsicht unterlegen ist: langweilig, unoriginell, selten spannend und erstaunlich einfallslos. Und man fragt sich unweigerlich, was Schauspieler:innen wie Sarah Michelle Gellar und Elijah Wood an diesem Drehbuch gereizt haben könnte.

