Mit „Fatherland“ kehrt der polnische Regisseur Paweł Pawlikowski, der 2018 mit „Cold War“ bereits in Cannes vertreten war, mit einem der ersten großen Highlights des Film-Festivals zurück.
Thomas Mann und seine Tochter Erika reisen durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland
Im Zentrum stehen Literaturnobelpreisträger Thomas Mann und seine Tochter Erika, die sich kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf eine Reise durch ein zerstörtes Deutschland begeben – von Frankfurt in der amerikanischen Besatzungszone bis ins sowjetisch kontrollierte Weimar.
Für den Film hat Pawlikowski die A-Riege der deutschen Schauspielzunft versammelt: Neben Sandra Hüller – über deren Performance bereits jetzt spekuliert wird, ob sie dank veränderter Oscar-Regeln im kommenden Jahr gleich mehrfach nominiert sein könnte (unter anderem auch für „Rose“ sowie möglicherweise für ihre Nebenrolle in „Project Hail Mary“) – spielen auch Hanns Zischler (als Thomas Mann), August Diehl (als Erikas Bruder Klaus) sowie Devid Striesow und Joachim Meyerhoff mit.
Der kürzeste Wettbewerbsfilm von Cannes ist zugleich einer der stärksten
Was als politische und kulturelle Reise durch ein gespaltenes Land beginnt, wird zunehmend auch zu einer innerfamiliären Zerreißprobe. Während Thomas Mann versucht, seine Rolle als moralische und literarische Instanz zu behaupten, eskaliert das leise Drama innerhalb der Familie immer stärker im Hintergrund der historischen Kulisse. Pawlikowski verbindet diese beiden Ebenen mit seiner typischen Zurückhaltung und formalen Strenge und zeichnet so ein Bild einer verwundeten deutschen Seele im Übergang zwischen Schuld, Neubeginn und Selbstdeutung.
Mit 82 Minuten Laufzeit inklusive Credits ist „Fatherland“ zudem der kürzeste Film im Wettbewerb – eine Pointierung, die dem Film guttut und die man auch dem ein oder anderen Beitrag gewünscht hätte.

