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Michael – Eine Weltpremiere und viele Fragen

Premiere in Berlin

Mit „Michael” – inszeniert von Antoine Fuqua („Training Day”) und produziert von Graham King („Bohemian Rhapsody”) – sicherte sich Berlin seit Langem erstmals wieder die Weltpremiere eines heiß erwarteten, international relevanten Films – inklusive angereistem Cast, zahlreicher Mitglieder der Jackson-Familie und tausender Fans aus aller Welt.

Was erzählt wird – und was nicht

Doch unter die Freude darüber, dass ein Event dieser Größenordnung diesmal nicht in Los Angeles oder London, sondern in Berlin stattfand, mischte sich schnell eine unausweichliche Frage: Ist eine mehrtägige Fan-Celebration und Huldigung eines Musikers – und mag er noch so visionär und exzeptionell gewesen sein – angesichts der Missbrauchsvorwürfe, mit denen sich Michael Jackson konfrontiert sah, angemessen? Lässt sich die Kunst eines Künstlers, der die Popmusik geprägt hat wie kaum ein anderer, vom Künstler selbst trennen? Und wenn ja – zu welchem Preis? Oder muss man vielmehr die unbequeme Vielschichtigkeit dieser Geschichte aushalten? Und würde sich der Film diesen Aspekten überhaupt widmen oder die Dokumentation „Leaving Neverland” und die darin enthaltenen Vorwürfe schlicht ausklammern?

Vom Wunderkind zur Ikone

Der Film entscheidet sich für Letzteres: Er zeichnet Michaels Weg nach – von seiner Kindheit als Leadsänger der Jackson 5 bis hin zu seiner Solo-Karriere, begleitet von seinem Manager (Miles Teller), seinem folgenschweren Unfall bei einem Pepsi-Werbedreh und einer letzten Victory Tour mit seinen Brüdern.

Gleich zu Beginn wird Michael Jacksons Vater Joseph Jackson – eindrucksvoll gespielt von Colman Domingo, der der Premiere als einziger Hauptdarsteller fernblieb – als klarer Antagonist etabliert: gewalttätig, verbissen ehrgeizig und vor allem getrieben von eigener Geltungssucht statt vom Wohl seiner Familie. So nachvollziehbar diese Darstellung sein mag, drängt sich dennoch der Eindruck auf, dass sie auch dazu dient, Michaels Figur im starken Kontrast möglichst unangreifbar erscheinen zu lassen.

Gespielt wird dieser von Jaafar Jackson, dem Sohn von Michaels Bruder Jermaine Jackson, der sich jahrelang auf seine erste Rolle vorbereitet hat – und sich dabei nahezu in den King of Pop verwandelt. Seine Darstellung ist so überzeugend, dass man sich immer wieder bewusst machen muss, keine Originalaufnahmen zu sehen, sondern ein Biopic. Auch Juliano Valdi als junger Michael brilliert in seiner ersten Rolle. Gerade die Konzertsequenzen gehören zu den stärksten Momenten des Films, der gut daran getan hätte auf einige – zudem auffallend künstlich wirkende – CGI-Intermezzos zu verzichten. 

Fortsetzung folgt

Überraschend endet „Michael“ mit dem letzten gemeinsamen Konzert der Jackson 5 und dem Versprechen einer Fortsetzung. Die Möglichkeit, die dunkleren Kapitel von Michael Jacksons Biografie noch aufzugreifen, bleibt damit bestehen – auch wenn dies nach dem ersten Teil eher unwahrscheinlich erscheint.

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