Mit „Project Hail Mary” ist den Regisseuren Phil Lord und Christopher Miller der bislang größte Kinoerfolg des Jahres gelungen. Und auch auf der Cineasten-App Letterboxd wird der Film mit einer Durchschnittsbewertung von beeindruckenden 4,3 weitestgehend gefeiert – ein Wert, der sonst eher Klassikern der Filmgeschichte vorbehalten ist. Bleibt die Frage: Wird „Project Hail Mary“ seinem Hype gerecht?
Im Zentrum des Science-Fiction-Abenteuers steht Ryland Grace (Ryan Gosling), ein eigentlich als Lehrer arbeitender Molekularbiologe, der von der von Sandra Hüller gespielten Leiterin des titelgebenden Projekts auf eine interstellare Mission geschickt wird – mit dem Ziel, nichts Geringeres als die Auslöschung der Sonne zu verhindern. Im All angekommen, erwacht er jedoch als einziger an Bord des Raumschiffs – bis er die Bekanntschaft seines Alien-Sidekicks Rocky macht.
Eines vorweg: Wer hier einen philosophisch tiefgründigen Weltraum-Geniestreich à la „Interstellar” erwartet, dürfte enttäuscht werden. „Project Hail Mary“ versteht sich vielmehr als klassisches Blockbusterkino – mit all seinen Stärken und einigen deutlichen Schwächen.
Zu den großen Pluspunkten zählen zweifellos die eindrucksvollen Bilder des Weltalls, die insbesondere im IMAX-Format ihre volle Wirkung entfalten, sowie ein stimmungsvoller Score. Auch die Dynamik zwischen Grace und seinem steinernen Alien-Gefährten Rocky sorgt für einige der emotional zugänglichsten Momente des Films – selbst wenn diese stellenweise etwas kalkuliert wirken und spürbar auf die Tränendrüse zielen.
Weniger überzeugend gerät hingegen die Figurenzeichnung: Goslings Grace bleibt letztlich der bekannte Typus des charmanten, brillanten, stets zu einem lockeren Spruch aufgelegten Helden – selbst angesichts eines drohenden Weltuntergangs. Nur dass diese „humorvollen” Einlagen häufig eher infantil als wirklich pointiert wirken und der Figur so an Tiefe nehmen.
Auch Sandra Hüller bringt zwar die nötige Präsenz mit, scheint jedoch auf die Rolle der kühlen, kontrolliert-autoritären Figur abonniert. Die viel besprochene Karaoke-Szene sorgt zwar für einen kurzen Moment der Auflockerung, fügt sich aber ebenso wie die Rückblenden vor der Mission nur bedingt organisch in den Film ein und hinterlässt überraschend wenig emotionale Wirkung.
Hinzu kommen ausgedehnte wissenschaftliche Exkurse, die weniger durch Plausibilität als durch ihre Länge auffallen und den ohnehin üppigen Umfang von über zweieinhalb Stunden zusätzlich strecken.
So bleibt am Ende ein Film, der visuell beeindruckt und als Blockbuster durchaus funktioniert, dabei aber nie die Tiefe von Genre-Meilensteinen wie „2001: A Space Odyssey” erreicht.

