Gleich vorab: Die Verfasserin dieser Zeilen hat „Wuthering Heights” nie gelesen. Und es scheint so, als falle das Urteil jener, die glühende Fans der Vorlage sind, deutlich härter aus als das derer, die eher mit „Wuthering Heights” von Kate Bush sozialisiert wurden als mit dem Roman selbst.
Die berechtigte Kritik, dass Heathcliff im Buch als POC gelesen wird und die Verfilmung diese Rassismus-Ebene komplett ausspart, sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Regisseurin und Drehbuchautorin Emerald Fennell sich bei ihrer Version nicht penibel an die Vorlage halten muss. Schließlich betonte sie im Vorfeld mehrfach, lediglich „inspiriert“ worden zu sein – was sie augenzwinkernd schon dadurch signalisiert, dass sie den Filmtitel demonstrativ in Anführungszeichen setzt. Nach „Promising Young Woman” und „Saltburn” war ohnehin klar: Subtilität ist nicht Fennells bevorzugtes Ausdrucksmittel.
Schauen wir also zunächst auf die Haben-Seite von „Wuthering Heights”:
Mit Margot Robbie und Jacob Elordi als Catherine und Heathcliff stehen zwei der gefragtesten Schauspieler ihrer Generation vor der Kamera. Allein ihr kollektives Attraktivitätslevel und die Chemie zwischen den obsessiv-zerstörerisch Liebenden ist unleugbar. Wenn man künftig „yearning“ im Wörterbuch nachschlägt, wäre es nur fair, neben der Definition ein Bild der beiden abzudrucken.
Und ästhetisch? Gab es lange nichts Vergleichbares. Es ist kaum übertrieben zu sagen, dass sich nahezu jedes Filmstill einrahmen und an die Wand hängen ließe. Die Farbpalette, die nebelverhangene Landschaft, das überbordende Produktionsdesign – und vor allem die Kostüme, die historischer Akkuratesse zwar höflich zuzwinkern, sich dann aber für Latex-Extravaganz und Cellophan-Exzess entscheiden. Abgerundet wird das Ganze durch den Soundtrack von Charli xcx, dem vermutlich derzeit gefragtesten Popstar der Welt.
Wer über all das nur müde lächeln kann und grundsätzlich kein Faible für überhitzte Liebes-Historiendramen besitzt, wird diesem Film wenig abgewinnen – zumal einige Szenen derart hemmungslos übersteigert sind, dass sie gefährlich nah am Selbstparodie-Rand balancieren. Für alle anderen aber ist Fennells neuester Streich ein visuell berauschendes Spektakel, das weniger auf historische Treue als auf große Gefühle und noch größere Bilder setzt.

