Richard Hübner / Berlinale 2026

Berlinale 2026 Recap: Diese 10 Filme solltet ihr nicht verpassen

Tricia Tuttle hat in ihrem zweiten Jahr nicht nur internationale Schauspiellegenden wie Juliette Binoche, Ethan Hawke und Sam Rockwell ins verschneite Berlin gebracht, sondern mit Charli xcx und Dua Lipa auch zwei der größten Popstars der Gegenwart.

Aber nicht nur auf dem roten Teppich wurde geliefert: Zwischen Sundance-Gewinnern und großen Weltpremieren liefen zahlreiche Filme, über die man noch lange sprechen wird.

Hier sind unsere 10 Highlights der Berlinale 2026:

Sunny Dancer

Dieser Film hat für uns das Potenzial, ein echter Coming-of-Age-Klassiker zu werden: “Sunny Dancer” begleitet eine Gruppe Teenager, die ihren Sommer in einem Ferienlager für krebskranke Jugendliche verbringen – und schafft das Kunststück, gleichzeitig witzig, berührend, lebensbejahend und dabei weitestgehend kitschfrei zu sein.

Wetten, dass “I Don’t Feel Like Dancin’“ von den Scissor Sisters dank dieses Films wieder in die Charts einsteigt?

Josephine

Sundance-Gewinner – und auch in Berlin mit Standing Ovations gefeiert: “Josephine” erzählt aus der Perspektive einer Achtjährigen, die Zeugin eines Verbrechens wird. Verstörend, aber nie rührselig, nimmt der Film die kindliche Wahrnehmung kompromisslos ernst.

Channing Tatum und Gemma Chan, bislang eher nicht als Charakterdarsteller aufgefallen, überzeugen als Eltern, die eigentliche Offenbarung ist jedoch die achtjährige Mason Reeves in ihrer allerersten Rolle.

Rosebush Pruning

“Eat the Rich” bleibt das Genre der Stunde: Nach “The White Lotus”, “Triangle of Sadness” und “Saltburn” reiht sich auch “Rosebush Pruning” in die Galerie der Verfilmungen extrem dekadent-unsympathischer Familien ein.

Der Film ist makellos inszeniert, visuell extrem stylish und hat einen exzellenten Soundtrack. Doch was er uns letztlich über Missbrauch, Inzest und moralische Verkommenheit sagen will, bleibt diffus. Mehr Pose als Pointe – aber immerhin eine sehr ästhetische.

The Moment

Die Mockumentary von und mit Charli xcx ist halb Satire, halb Selbstentblößung. Besonders Alexander Skarsgård glänzt als selbstgefälliger, bevormundender Regisseur – eine Karikatur, die sehr nah an der Realität kratzt.

Für alle, die sich für die Mechaniken der Musikindustrie interessieren, ist “The Moment” Pflichtprogramm. Für Charli-Fans sowieso.

Queen at Sea

Juliette Binoche als Tochter einer an Demenz erkrankten Mutter. Ein Film, der einem das Herz herausreißt und einen mit dem dringenden Bedürfnis zurücklässt, die eigenen Eltern anzurufen.

Nicht nur Binoche brilliert, sondern auch Anna Calder-Marshall und Tom Courtenay – beide zurecht ausgezeichnet mit dem Silbernen Bären für die beste Nebenrolle. Regisseur Lance Hammer erhielt zudem den Preis der Jury.

Good Luck, Have Fun, Don’t Die

Sam Rockwell als Zeitreisender, der in einem Diner in Los Angeles eine Gruppe Fremder rekrutiert, um eine KI-Apokalypse zu verhindern – das klingt nach Fiebertraum und fühlt sich auch so an.

Gore Verbinskis irrwitzige Dystopie erinnert über weite Strecken an eine sehr unterhaltsame Black-Mirror-Folge. Eine halbe Stunde und ein paar Handlungsstränge weniger hätten dem Film allerdings gutgetan. Doch Rockwell – und ein insgesamt hervorragender Cast – tragen auch diese Überlänge.

The Weight

Ethan Hawke als vom Schicksal gezeichneter Mann, der mit einer Gruppe Sträflinge Gold durch die tödliche Wildnis Oregons schmuggelt (Fun Fact: gedreht wurde in Bayern).

Das “Men on a Mission”-Motiv wurde filmisch schon origineller umgesetzt, viele Szenen erzeugen ein konstantes Déjà-vu. Doch der Cast – allen voran Hawke – spielt stark, und langweilig wird dieser Survival-Thriller immerhin keine Sekunde.

The Testament of Ann Lee

Die wahre Geschichte von Ann Lee, Gründerin der Shaker-Bewegung im 18. Jahrhundert. Nach Visionen im Gefängnis predigt sie Enthaltsamkeit und Gleichberechtigung und führt ihre Anhänger nach Amerika.

Amanda Seyfried spielt mit beeindruckender Intensität und Daniel Blumbergs Musik bleibt angenehm unpathetisch. Durch die zahlreichen kollektiven Schütteltänze und Gesangseinlagen ist der Film jedoch eindeutig eher etwas für ein Special-Interest-Publikum.

The Only Living Pickpocket in New York

Ein oldschool Liebesbrief an New York. John Turturro als charmant-melancholischer Taschendieb, der zu Jazz-Klängen durch die Stadt streift und Neo-Noir-Vibes versprüht. Pluspunkte für den Opener mit LCD Soundsystem, den Überraschungsauftritt von Jamie Lee Curtis und für eine erfrischend knappe Laufzeit von 90 Minuten.

Everybody Digs Bill Evans

Ein Biopic, das seinem Protagonisten bewusst auf Distanz begegnet. Über den amerikanischen Jazzpianisten Bill Evans erfahren wir weniger als erwartet – sein Innenleben bleibt verschlossen, Dialoge sind rar.

Die wiederkehrenden Schwarz-Weiß-Nahaufnahmen seines in Zigarettenrauch gehüllten Gesichts setzen auf starke Bildsprache, wirken jedoch stellenweise repetitiv. Auch die Nebenfiguren bleiben eher skizzenhaft – einzig Bill Pullman als Vater bringt spürbare Tiefe ins Spiel, weshalb die Szenen im Elternhaus zu den stärksten Momenten zählen.

Umso bemerkenswerter: der Silberne Bär für die beste Regie für Grant Gee.